Die Lectio Divina ist ein Thema, das ich aus meiner früheren Berufstätigkeit beim Bibelwerk mitgebracht habe. Ursprünglich war die Lectio Divina, eine Form der geistlichen Schriftlesung, die im Prinzip schon bis zu den antiken Kirchenvätern zurückreicht, vor allem in den Klöstern der Mönche und Nonnen beheimatet. Sie ist dadurch eine Art der Schriftlesung, die sehr ruhig und sehr meditativ ist und die die persönliche Begegnung mit dem Bibeltext sucht. Aus diesem Geist und nach diesem Vorbild hat man dann vor einigen Jahren beim Bibelwerk eine Methode entwickelt, die auch außerhalb der klösterlichen Lebenswirklichkeit funktioniert und die als Methode für Bibelkreise eingesetzt werden kann. Es ist aber noch immer der ursprüngliche klösterliche Geist, der diese Form der Lectio Divina auszeichnet: Sich mit einer neugierigen und offenen Grundhaltung und ohne konkrete Zielsetzung einem Bibeltext zuzuwenden und sich von ihm überraschen zu lassen. Oft geht man ja sehr verzwickt an die Bibel heran und sucht nur eine Bestätigung für Überzeugungen, die man sowieso schon hat, die man vielleicht noch mit einem Bibelzitat garnieren will. Dies versucht man bei der Lectio Divina zu vermeiden und stattdessen den Bibeltext selbst zum Sprechen zu bringen, ihn auf sich wirken zu lassen und aus dieser Begegnung heraus wieder in den Alltag zurückzugehen. Und das, ohne dass man aus dem Text eine bestimmte Agenda ableitet, die man dann im Anschluss abzuarbeiten hat. Es darf sich verändern, was sich verändern will, und die Veränderung geschieht meist leise und unmerklich im Verborgenen.
Referent:
Tobias Meyerhofer, Bildungsreferent an der Fachstelle Theologische Bildung und Neuevangelisierung
| Veranstaltungsnr. | 8-43229 |
| Datum | Di 01.09.2026 |
| Gebühr | Fahrtkosten, kein Honorar |